Internationaler Weltfrauentag
Bayerisch-Schwaben: Auf den Spuren starker Frauen
Augsburg, März 2026: In Bayerisch-Schwaben haben Frauen Geschichte geschrieben – und diese ist bis heute allgegenwärtig. Museen, Ausstellungen, Führungen und Lauschtouren zu biografischen Orten erhalten ihr Vermächtnis lebendig – am Weltfrauentag ebenso wie an jedem anderen Tag, an dem wir diesen Wegbereiterinnen begegnen.
Es waren Frauen mit Mut, Talent und erstaunlicher Beharrlichkeit, die in Bayerisch‑Schwaben ihre Zeit geprägt haben. Unternehmerinnen, Künstlerinnen, Herrscherinnen. Frauen, die Räume öffneten und Grenzen verschoben, weil Stillstand für sie keine Option war. Frauen, die sich gegen Unrecht stellten oder neue Wege gingen, ohne zu ahnen, dass man sie später Pionierinnen nennen würde. Zum Weltfrauentag rücken ihre Lebenswege in den Mittelpunkt.
Maria Holl: Die Unbeugsame von Nördlingen
Maria Holl (1549–1634) war eine Frau, die sich selbst durch unmenschlichen Druck nicht brechen ließ. Als angesehene Wirtin der „Goldenen Krone“ in Nördlingen geriet sie 1593 in den Strudel der Hexenverfolgungen – eine beklemmende Zeit, in der wirrer Aberglaube stärker war als Vernunft. Was folgte, war ein Martyrium: 62 Folterungen musste sie überstehen, doch sie widerrief nie, gestand nie, blieb standhaft gegen ein System, das Geständnisse erzwingen wollte. Ihre Unbeugsamkeit machte sie zur Symbolfigur für Mut und Gerechtigkeit in einer Epoche, in der viele andere Frauen auf dem Scheiterhaufen endeten. Dieses dunkle Kapitel der Stadtgeschichte und die Hintergründe dieses Wahns lassen sich heute auf einer Lauschtour rund um die Schauplätze der Nördlinger Hexenprozesse nacherleben. Die Audiotour endet am Maria-Holl-Brunnen, dessen Holz und die Form an einen Scheiterhaufen erinnern sollen.
www.bayerisch-schwaben.de/touren/hexen-in-noerdlingen
Maria Theresia: Günzburgs prägende Regentin
Kaiserin Maria Theresia (1740–1780) war Herrscherin, Reformfigur, Machtmensch, Mutter von 16 Kindern – aber vor allem eine Frau, die wusste, was sie wollte. Als sie Günzburg 1760 zur Hauptstadt der Markgrafschaft Burgau erhob, löste das einen regelrechten Bauboom aus: Das Günzburger Schloss wurde zum Regierungssitz ausgebaut, neue Verwaltungsstrukturen entstanden, und Günzburg erhielt ein Gesicht, das das Stadtbild bis in die Gegenwart prägt – so deutlich, dass man es in der Region bis heute das „kleine Wien“ nennt. An der wichtigen Postroute Wien–Paris ließ die Kaiserin eine Münzstätte errichten, in der bis 1805 der berühmte Maria-Theresien-Taler geprägt wurde – jene Silbermünze, die später zu einer globalen Handelswährung wurde. Ihre Reformen im Schulwesen, in der Verwaltung und im Justizsystem reichten bis in die entlegensten Winkel ihres Reiches und machten Günzburg zu einem kleinen, aber wichtigen Knotenpunkt habsburgischer Politik. Eine Lauschtour führt mitten hinein in die Schauplätze von Maria Theresias Wirken. Und bei der spannenden Stadtführung „Frauen in Günzburg“ erklärt Gästeführerin Antje Mühlenbein im Zeitraffer, wie Frauen hier seit fast 2000 Jahren Geschichte prägen – von der entschlossenen Herrscherin bis zur modernen Günzburgerin.
www.bayerisch-schwaben.de/events/die-starken-frauen-von-guenzburg-stadtfuehrung
Kaiserin Elisabeth: Der Mythos Sisi in Aichach-Unterwittelsbach
Elisabeth, Herzogin in Bayern, Kaiserin von Österreich und Königin von Ungarn (1837 bis 1898) gehört zu den Frauenfiguren, die bis heute weltweit faszinieren: Sisi, die freiheitsliebende Kaiserin, die sich höfischen Zwängen entzog, die moderne Frau im Korsett der Monarchie, die Ikone zwischen Realität und Projektion. Im Wasserschloss Aichach-Unterwittelsbach, das einst Sisis Vater, Herzog Max in Bayern, gehörte, lässt sich dieser Mythos aus nächster Nähe erleben. Die Dauerausstellung „Sisi – Leben, Tod & Mythos“ zeigt, wie aus Elisabeth von Bayern eine weltbekannte Figur wurde. 2026 widmet sich eine große Sonderausstellung dem Thema „verliebt, verlobt, verheiratet“ – am Beispiel von Elisabeth und Franz Joseph, aber auch im Kontext einer Ehe, die in adeligen Strukturen über Besitz, Namen und Fortbestand entschied. Auch hier macht eine Lauschtour Geschichte und Hintergründe lebendig.
https://sisischloss.bayern/Ausstellung/
Lina Kempter: Wegbereiterin weiblicher Kunst in Illertissen
An der Schwelle zum 20. Jahrhundert gehörte Lina Kempter (eigentlich Caroline Kempter, 1856–1925) zu jenen Frauen, die sich mit Entschlossenheit und künstlerischem Selbstbewusstsein ihren Platz in einer männlich dominierten Kunstwelt erkämpften. In München, wo Frauen kaum Zugang zu Ausbildung, Ausstellungen oder Aufträgen hatten, behauptete sie sich mit Talent, Disziplin und einem bemerkenswerten Gespür für Chancen. Sie ließ sich an der Kunstgewerbeschule ausbilden, suchte sich private Lehrer, schloss sich dem Münchner Künstlerinnenverein an und nutzte dessen internationale Netzwerke. 1894 wagte sie sogar eine Studienreise nach Chile – ein Schritt, der für eine Frau ihrer Zeit regelrecht kühn wirkte. Nach ihrer Rückkehr wurde sie zu einer wichtigen Figur in der Ausbildung junger Künstlerinnen. Ihr Wirken zeigt das Bild einer entschlossenen, weltoffenen Frau, die gesellschaftliche Grenzen nicht einfach hinnahm – und damit kommenden Generationen von Künstlerinnen den Weg ebnete. Im Museum Illertissen erinnert heute das Kempter Kabinett an ihr Leben und Werk.
https://galerie-der-panther.de/caroline-kempter/
Käthe Kruse: Puppen-Pionierin mit Weitblick in Donauwörth
Käthe Kruse (1883–1968) war das, was man heute eine Macherin nennen würde. Aus Stoff, Sand und einer Kartoffel als Kopf entwickelte sie den Prototypen einer weichen, anschmiegsamen Puppe – der Gegenentwurf zu den starren Porzellanfiguren, mit denen Kinder bisher gespielt hatten. Käthe Kruses Puppen waren – und sind es bis heute – lebensecht, pädagogisch wertvoll und zum Liebhaben gedacht. Mit diesem Anspruch schuf sie ein Lebenswerk, das sie mit Kreativität, handwerklicher Präzision und unternehmerischer Konsequenz vorantrieb – bis hin zu einem vielbeachteten Prozess, in dem sie sich erfolgreich gegen Nachahmungen ihrer Modelle wehrte. In Donauwörth, wohin sie nach dem Zweiten Weltkrieg ihre Produktion verlegte, lässt sich ihr Werk heute unmittelbar nachempfinden. Im Käthe-Kruse-Puppen-Museum im ehemaligen Kapuzinerkloster sind über 150 Puppen, Puppenstubenfiguren und seltene Schaufensterfiguren zu bewundern. Historische Fotos, biografische Materialien und Originalinterviews geben Einblick in ihr Denken und Arbeiten. Bei einer exklusiven „Zeit zu zweit“ Führung lässt sich mit Oma, Tochter oder der besten Freundin erleben, wie die klassischen Sammlerpuppen in liebevoller Handarbeit gefertigt werden.
www.donauwoerth.de/fuehrungen/zeit-zu-zweit
https://kaethe-kruse.de/de/ueber-uns/manufaktur
Bayerische Landesausstellung 2027 in Ursberg und Dillingen: „Schwesterherz! Frauen retten Bayern“
Vom 4. Mai bis 7. November 2027 wird Bayerisch-Schwaben zum Schauplatz einer besonderen bayerischen Landesausstellung: „Schwesterherz! Frauen retten Bayern“ widmet sich den oft übersehenen Heldinnen des bayerischen Gesundheits- und Sozialwesens – Frauen, die in den letzten zweihundert Jahren in Krisenzeiten Verantwortung übernommen und die Dinge zum Besseren gewendet haben. Häufig Ordensfrauen und Pflegekräfte, aber auch Arbeiterinnen, die im 19. Jahrhundert in den Fabrikhallen ihre Stimme erhoben; Frauen, die um 1900 buchstäblich aus dem Korsett ihrer Zeit ausbrachen, und die Bahnhofsmission, die Schutz bot, wo er dringend gebraucht wurde. Auch die Ursberger Schwestern sind Teil dieser Geschichte: Ihre Haltung und Fürsorge im Umgang mit Menschen mit Behinderungen sind bis heute beispielgebend.
www.hdbg.de/ausstellungen/bla2027-schwesterherz.html
Weitere Tipps:
Eindrucksvolle Frauenpersönlichkeiten leben und wirken auch heute in Bayerisch-Schwaben – von der Trachten-Punkerin Sandra Müller, über die preisgekrönte Destillateurin Katharina Zott bis hin zu Bio-Gastwirtin Stefanie Pröbstle und Kräuterpädagogin Siglinde Beck. Ihre spannenden Porträts finden sich unter www.bayerisch-schwaben.de/geschichten.
Spezielle Führungen – wie zu den „Frauen der Fugger & Welser“ oder „Mozarts Bäsle“ in Augsburg gibt es auch andernorts in Bayerisch-Schwaben. Ebenso Events und Erlebnismöglichkeiten speziell für Frauen – wie die Ausstellung „Frauenwelt“ auf Schloss Höchstädt am 5.7.26, das Frauenfrühstück in Kloster Roggenburg mit spirituellem Beginnen oder die Frauentage im Heilbad Krumbad. Mehr dazu auf dem Blog unter www.bayerisch-schwaben.de/blog/spuren-starker-frauen.
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