Auf historischen Spuren

Niederösterreichs royales Erbe

Gekrönte Häupter, mächtige Monarchen und streitbare Landesfürsten lenkten über Jahrhunderte die Geschicke im heutigen Niederösterreich. Ihr bedeutendes kulturelles Vermächtnis ist in ihren einstigen Residenzen immer noch auf Schritt und Tritt spürbar.

Schon seit Kaiser Mark Aurel im Jahr 172 n. Chr. in der einstigen Römerstadt Carnuntum sein Hauptquartier aufschlug, war Niederösterreich Dreh- und Angelpunkt für bedeutende Regenten. Im Spätmittelalter hatten die Babenberger Markgrafen und Herzöge durch clevere Heiratspolitik das Sagen im Lande. Und nach einem kurzen Interregnum von Ottokar II. Přemysl, drückten die Habsburger Österreich und damit auch der Region des heutigen Niederösterreich ihren Stempel auf. Ihre Handschrift haben die großen Herrscher vergangener Tage nicht nur im kollektiven Bewusstsein Niederösterreichs, sondern auch deutlich sichtbar in Kunst, Literatur und Architektur hinterlassen. Imposante Schlossanlagen, Adelssitze und Residenzen sind noch heute prunkvolle Zeitzeugen dieser imperialen Vergangenheit.

Carnuntum: Auf Du und Du mit den alten Römern
Im späten 1. Jahrhundert v. Chr. gegründet, entwickelte sich Carnuntum schnell zu einer bedeutenden Handelsstadt in der Region Pannonien, damals Teil des Römischen Reiches. Heute bietet hier ein europaweit einzigartiges Freilichtmuseum im Gemeindegebiet von Petronell historisch authentische Einblicke in das römische Alltagsleben der Antike. In einem rekonstruierten Stadtviertel spazieren Besucher durch nachgebaute römische Häuser, Werkstätten und Geschäfte. In den Ausgrabungsstätten des Archäologischen Parks lassen sich Ruinen, Mosaike, römische Bäder und andere archäologische Funde bestaunen. Beim jährlichen Römerfest (dieses Jahr am 16. und 17. September 2023) erwacht Carnuntum zum Leben – mit originalgetreuer römischer Kleidung, Gladiatorenkämpfen, Spezialitäten aus der Römerzeit und traditionellem römischen Festbankett. www.carnuntum.at

Marchfeldschlösser: Schloss Hof und Eckartsau
Über mehr als 7 Hektar erstreckt sich das Areal von Schloss Hof im östlichen Niederösterreich nahe der March, die die Grenze zur Slowakei bildet. Das elegante Renaissancekastell wurde 1725 von Prinz Eugen von Savoyen erworben, der die Anlage unter der Ägide von Baumeister Johann Lucas von Hildebrandt zu einem feudalen Jagdsitz ausbauen ließ. Über 800 Handwerker waren bis zum Tode des Prinzens 1736 unter anderem damit beschäftigt, eine weitläufige Gartenanlage mit sieben Terrassen anzulegen. Nachbesitzerin Maria Theresia von Österreich nutze das größte der insgesamt 6 Marchfeldschlösser mit ihrer Familie als Sommerrefugium und erweiterte das Hauptgebäude um ein zweites Stockwerk. Der imposante Barockgarten wurde 2019 aufwändig rekonstruiert und ist heute für Besucher im originalgetreuen Erscheinungsbild des 18. Jahrhunderts erlebbar. Highlight bei jungen Schlossbesuchern: Der Streichelzoo im Gutshof der Anlage. Hier genießen rund 200 tierische Bewohner, unter anderem weiße Barockesel, Kärntner Brillenschafe, Mini-Shetlandponys, Alpakas und Minischweine, das imperiale Ambiente.

Nur 15 Autominuten entfernt von Schloss Hof liegt Schloss Eckartsau idyllisch eingebettet in den Nationalpark Donau-Auen. Für die prunkvolle Architektur zeichnen die größten Baumeister des Barock, allen voran Joseph Emanuel Fischer von Erlach, verantwortlich. Im weitläufigen Englischen Landschaftspark ließ k.u.k. Hofgartendirektor Umlauft im Auftrag von Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand mit viel Fingerspitzengefühl die ungezähmte Wildnis der umgebenden Auwälder und elegante doppelreihige Lindenalleen miteinander verschmelzen. Beim spannenden Schlosspark-Naturvermittlungsprogramm flanieren Besucher über weite Wiesen, bestaunen Baumraritäten und treffen auf Wasserskorpione, Gelbrandkäfer und Haarschopf-Pelzbienen.
www.schlosshof.at
www.schlosseckartsau.at

Kloster Mayerling: Schicksalhafter Ort im Wienerwald
Eingebettet in die freundlichen Hügel des Wienerwaldes liegt die kleine Ortschaft Mayerling, deren Name untrennbar mit den dramatischen Ereignissen des 30. Januar 1889 verbunden ist: Im Schlafzimmer des Jagdschlösschens von Mayerling erschoss Kronprinz Rudolf seine junge Geliebte Mary Vetsera und sich selbst – eine Tragödie, die bis heute Rätsel aufgibt. Noch im selben Jahr beauftragte Rudolfs Vater Franz Joseph I. den Umbau des Jagdschlosses zu einem Karmelitinnenkloster als Ort der Sühne und Kontemplation. Am einstigen Tatort befindet sich heute der Altar des Schweigeklosters. Ein Informationsbereich im Garten der Anlage hält die Erinnerung an das weltbekannte historische Geschehen lebendig. Im schmucken Teepavillon, der als Teil des ursprünglichen Gebäudekomplexes erhalten und nach einem schweren Brand im Jahr 1967 neu renoviert wurde, bewundern Besucher die barock anmutenden Deckenmalereien, die einen Blick in den blauen Himmel andeuten. www.karmel-mayerling.org

Laxenburg: Ein Schlosspark wie im Märchen
Unweit von Mayerling verbrachten Kaiser Franz Joseph und Kaiserin Elisabeth im Schloss Laxenburg ihre Flitterwochen, Kronprinz Rudolf hat hier das Licht der Welt erblickt. Ein Spaziergang im romantischen Landschaftsgarten des Schlosses – mit rund 280 Hektar der größte Österreichs und einst Jagdgebiet der Habsburger – offenbart die grenzenlose Kreativität der Gartenarchitekten: Man flaniert vom Grünen Lusthaus über den Concordiatempel bis hin zum Forstmeisterkanal mit der großen Wasserkaskade und staunt über Gebirgslandschaften, Grotten und die trutzige Franzensburg inmitten des großes Schlossteiches. Heute finden auf dem liebevoll gepflegten Areal Konzerte, Theateraufführungen und Ritterturniere zu Pferd statt. Während der Veranstaltung „Klangwelle Laxenburg“ verwandelt sich der altehrwürdige Schlossgarten zur Bühne für ein zauberhaftes High-Tech-Spektakel aus Wasserspielen, Lasershow und Akrobatik.
www.schloss-laxenburg.at

Artstetten: Waldviertler Märchenschloss
Im südlichen Waldviertel, nahe der Donau, liegt inmitten eines verträumten Parks Schloss Artstetten mit seinen markanten sieben Türmen. Das Schloss diente der kaiserlichen Familie einst als Sommerresidenz und wurde zur letzten Ruhestätte für Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand und seiner Gemahlin Herzogin Sophie von Hohenberg, die beide 1914 in Sarajewo einem Attentat zum Opfer fielen. Das Schlossmuseum gewährt Einblicke in die facettenreiche Welt des politischen Denkers, Reformers, Sammlers und Familienmenschen Franz Ferdinand. In den Sommermonaten wird die historische Residenz zur Kulisse für launige Theateraufführungen. Wer mag, reist früher an, lässt sich im Schlosscafé einen Picknick-Korb packen und prostet sich auf der Wiese vorm idyllischen Bade-Pavillon mit einem Gläschen Sekt zu. Erlebnis für Nachteulen: Eine Schlossführung bei Vollmond inklusive Besichtigung der Familiengruft und Fackelwanderung durch den Schlosspark. www.schloss-artstetten.at

Schloss Wartholz: Heimat für Aristokraten und Literaten
Im mondänen Kurort Reichenau an der Rax inmitten der Wiener Alpen steht umgeben von alten Nadelbäumen das schmucke Schloss Wartholz. Errichtet im Stil des Historismus nach Plänen des damaligen Stararchitekten Heinrich Ferstel, diente das hübsche Anwesen Erzherzog Carl Ludwig, dem Bruder von Kaiser Franz Josef I., zu Repräsentations- und Erholungszwecken. Durch den Bau der Südbahn wurde Reichenau zunehmend zum beliebten Ausflugsgebiet für ein Who-Is-Who aus Hochadeligen, Wissenschaftlern und Intellektuellen, die man auf Schloss Wartholz mit offenen Armen begrüßte. Heute gibt sich im Literatursalon Schloss Wartholz die Crème de la Crème der Buch- und Theaterwelt die Klinke in die Hand. Größen wie Peter Turrini, Michael Heltau, Erwin Steinhauer, Christoph Ransmayr, Elfriede Ott, Claus Peymann und Julia Stemberger standen hier bereits am Lesepult. Ein besonderes Sommervergnügen sind hier auch die exklusiven Picknickmöglichkeiten am Ufer der Schwarza.
www.schloss-wartholz.at

www.schloss-wartholz.at/wartholz-am-fluss-picknick/

 

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